Mit fünf Jahren probierte Henry Gego zum ersten Mal Bogenschießen aus, mit sieben belegte er bereits den dritten Platz bei einer Landesmeisterschaft. Nun wurde der Aachener als Jüngster von fast 100 Kindern und Jugendlichen für seine sportlichen Erfolge ausgezeichnet. Dabei ist er längst nicht der einzige erfolgreiche Bogenschütze in seiner Familie.

Montags und mittwochs geht es zum Fußball, donnerstags zum Bogenschießen, und manchmal steht auch samstags noch Training an. Doch einen Termin in seiner Woche erwähnt Henry Gego besonders stolz: „Dienstags bin ich bei meiner Oma.“ Dass ausgerechnet seine Oma einen entscheidenden Anteil daran hat, dass der Siebenjährige heute mit Pfeil und Bogen bei Landesmeisterschaften antritt, passt da ziemlich gut.
Denn Bogenschießen ist bei Familie Gego beinahe ein Familiensport. Henrys Oma betreibt das Hobby seit vielen Jahren bei der Karlschützen-Gilde. Dann fing seine ältere Schwester Tabea an, und schließlich wollte auch Henry wissen, wie es sich anfühlt, einen Pfeil auf eine Zielscheibe zu schießen. Fünf Jahre alt war er bei seinem ersten Versuch. Da musste noch ein kleineres Sportgerät her. „Der Bogen wächst mit einem“, erklärt Henry.
Heute ist er sieben, wird im Januar acht und hat bereits mehrere sportliche Erfolge vorzuweisen. In der letzten Septemberwoche wurde der Zweitklässler gemeinsam mit fast 100 Kindern und Jugendlichen vom Stadtsportbund für sportliche Leistungen im Jahr 2025 ausgezeichnet. Henry war der Jüngste von ihnen. Bei der Landesmeisterschaft im Freien 2025 belegte er den dritten Platz. Diesen Erfolg wiederholte er 2026 bei der Hallen-Landesmeisterschaft.
Dass ein Siebenjähriger überhaupt bei solchen Wettkämpfen startet, ist nicht selbstverständlich. Viele Turniere lassen Teilnehmer erst ab acht Jahren zu. Henry hat trotzdem bereits an mindestens zwölf Turnieren und Meisterschaften teilgenommen. Aufgeregt sei er dabei trotzdem. Am liebsten erinnert er sich an die Turniere, bei denen er viele Punkte sammeln konnte. Zum Spitzensportler möchte er deshalb aber nicht werden. Bogenschießen ist für Henry ein Hobby und soll es auch bleiben. Er möchte weitermachen, solange es ihm Spaß macht. Schließlich gibt es noch einiges anderes in seinem Leben.
Da wäre zum Beispiel Fußball. Zweimal pro Woche steht der Sport auf dem Programm. Und wenn gerade weder Fußballschuhe noch Pfeil und Bogen gefragt sind, hilft Henry seinem Vater gerne im Stall. Familie Gego lebt auf einem Bauernhof. Katzen, ein Hund, Bullen und Meerschweinchen gehören dort zum Alltag des Zweitklässlers.
Trotzdem kennt Henry sich mit seinem ungewöhnlicheren Hobby inzwischen ziemlich gut aus. Er weiß, dass der richtige Stand wichtig ist, dass man sich konzentrieren und vor dem Schuss tief durchatmen sollte. Und er weiß aus eigener Erfahrung, wofür der Armschutz da ist. Die Sehne ist ihm nämlich schon einmal gegen den Arm geschlagen. „Das tut weh, das kann sogar bluten!“, berichtet er.
Am meisten Spaß macht ihm beim Training eine Übung, bei der kleine Luftballons an der Zielscheibe befestigt werden. Ausgerechnet die machen es Henry aber noch schwer. „Die Ballons bewegen sich wegen des Windes und oft treffe ich dann das Ziel, aber eben die Ballons nicht, weil sie sich bewegen“, erzählt er. Darin möchte er noch besser werden.
Warum es mit dem Bogenschießen ansonsten schon so gut klappt? Er übe viel und sein Trainer sei sehr nett und helfe ihm, erzählt Henry grinsend. Seine Schwester Tabea kennt noch eine weitere Voraussetzung: Man müsse sich Zeit lassen und konzentrieren. Mutter Cora Gego bringt es auf eine einfache Formel: „Nicht die Nerven verlieren.“
Die zehnjährige Tabea ist dabei nicht nur Ratgeberin, sondern selbst erfolgreiche Bogenschützin. Bei der Landesmeisterschaft im Freien 2025 belegte sie den zweiten Platz. 2026 wurde sie sowohl in der Halle als auch im Freien Landesmeisterin. Auch sie wurde vom Stadtsportbund ausgezeichnet. Früher traten die Geschwister noch in derselben Altersklasse an, heute schießen sie zumindest beim Training hin und wieder zusammen.
Auch Niederlagen gehören für die Familie dazu. „Spaß haben und nicht traurig sein“, gibt Cora Gego ihren Kindern mit. Das passt zu Henrys eigener Einstellung. Neben offiziellen Wettkämpfen mag er auch Spaßturniere, etwa das Nachtschießen mit beleuchteten Zielscheiben oder das „Turnier ums schwarze Gold“ in Baesweiler.
Und auch im Verein geht es nicht nur darum, wer die meisten Punkte erzielt. Kinder und Erwachsene unterschiedlichen Alters trainieren dort gemeinsam und helfen einander. Tabea betont zudem, dass Bogenschießen durchaus Mannschaftssport sein kann: Bei einigen Turnieren treten die Schützen gemeinsam als Team an.
Für Henry muss aus seinem Erfolg deshalb keine große Sportkarriere werden. Er möchte weiter Fußball spielen, seinem Vater im Stall helfen, dienstags seine Oma besuchen – und eben Pfeile auf Zielscheiben schießen. Warum gerade dieses Hobby? Henry formuliert es ziemlich unkompliziert: Er findet Bogenschießen gut, „weil man nicht immer nur zu Hause ist und man etwas macht, was man sonst eben nicht tut“.
Quelle: Aachener Zeitung
















